Bericht
Was in einem Thermografiebericht nach IEC TS 62446-3 steht
Welche Angaben die Norm von einem Prüfbericht verlangt, wie ein Befund entsteht und woran Sie einen brauchbaren Bericht von einer Bildersammlung unterscheiden.
Wärmebilder von einer Photovoltaikanlage kann inzwischen fast jeder machen. Der Unterschied liegt im Bericht. Ein brauchbarer Prüfbericht hält fest, unter welchen Bedingungen gemessen wurde, wie ein Befund zustande kommt und wo die Aussage endet. Ohne diese Angaben ist eine Sammlung bunter Bilder nicht überprüfbar und im Garantiefall wenig wert.
Was die Norm überhaupt regelt
IEC TS 62446-3 ist eine technische Spezifikation aus dem Jahr 2017 für die thermografische Prüfung von Photovoltaikmodulen und Anlagen im Betrieb. Sie regelt fünf Bereiche: die Mindestanforderungen an die Ausrüstung, den Ablauf der Prüfung samt zulässiger Randbedingungen, die Software für die Auswertung, die Bewertung der thermischen Auffälligkeiten und den Inhalt des Prüfberichts. Sie kennt außerdem zwei Prüftiefen, eine vereinfachte und eine ausführliche, die sich in der Tiefe der Auswertung und in der geforderten Qualifikation unterscheiden.
Die Randbedingungen gehören in den Bericht
Eine Thermografie ist eine Messung, und eine Messung ohne dokumentierte Bedingungen ist nicht nachvollziehbar. In den Bericht gehören deshalb mindestens diese Angaben:
- Einstrahlung in der Modulebene zum Zeitpunkt der Aufnahme, gefordert sind mindestens 600 W/m²
- Lufttemperatur, Wind und Bewölkung, weil Wind die Module kühlt und Temperaturunterschiede verkleinert
- Betriebszustand der Anlage, sie muss am Netz und im eingeschwungenen Zustand sein
- eingestellte Emissivität und reflektierte Temperatur, beide beeinflussen die absoluten Werte
- Blickwinkel auf die Modulfläche und die erreichte Auflösung am Objekt
Auflösung, der Punkt, den kaum jemand nennt
Die Norm verlangt für die Prüfung von Modulen eine geometrische Auflösung von höchstens 3 cm je Pixelkante. Wird aus größerer Höhe geflogen, verschwindet eine auffällige Zelle im Mittelwert der Nachbarpixel und taucht im Bericht gar nicht erst auf. Deshalb gehört die tatsächlich erreichte Auflösung in den Bericht und nicht nur die Flughöhe. Zum Vergleich, die bei QopterVision eingesetzte Kamera erreicht 1,011 mm je Meter Flughöhe, bei 10 m Flughöhe also 1,01 cm je Pixelkante, das ist rund ein Drittel des zulässigen Höchstwerts.
Wie ein Befund entsteht
Eine warme Stelle allein ist noch kein Befund. Sie kann vom Blickwinkel kommen, von der Montageschiene darunter, von der Dachbahn am Rand oder von einer Spiegelung. Eine Einstufung über der Stufe normal bekommt bei QopterVision deshalb nur, was zwei Kriterien zugleich erfüllt, eine ausreichende Temperaturdifferenz und ein dazu passendes Fehlerbild, also die Form, die eine ausgefallene Zelle, ein abgeschalteter Modulstrang oder ein ganzes totes Modul im Wärmebild hinterlässt.
Die fünf Befundkategorien
- normal, unter 2 K Temperaturdifferenz, kein Handlungsbedarf
- beobachten, 2 bis unter 5 K, bei der nächsten Prüfung erneut ansehen
- Warnung, 5 bis unter 10 K, Prüfung durch eine Elektrofachkraft empfohlen
- Defekt, 10 bis unter 20 K, Prüfung und Behebung notwendig
- kritisch, ab 20 K oder über 80 Grad C an der Modulfläche, zeitnah handeln
Warum die Temperaturdifferenz normiert wird
Dieselbe Auffälligkeit zeigt bei starker Sonne eine größere Temperaturdifferenz als bei schwacher. Damit Werte aus verschiedenen Terminen vergleichbar bleiben, wird die gemessene Differenz rechnerisch auf 1000 W/m² normiert. Im Bericht steht beides, der gemessene und der normierte Wert, und die Einstufung erfolgt bewusst nach dem gemessenen Wert. Wer nur den normierten Wert zeigt, macht seine Anlage auf dem Papier schlechter oder besser, als sie am Messtag war.
Was am Ende im Bericht steht
- Objekt und Auftragsdaten, dokumentierte Abdeckung, also welcher Teil der Anlage tatsächlich erfasst wurde
- die Randbedingungen der Messung und die eingesetzte Ausrüstung mit der erreichten Auflösung
- eine Anlagenskizze mit durchgehender Modulnummerierung, damit ein Befund bei der nächsten Prüfung wiedergefunden wird
- je Befund ein Bildpaar, sichtbares Spektrum und Wärmebild vom selben Ausschnitt, mit Messwerten
- die Einstufung je Befund, die empfohlene Maßnahme und ihre Frist
- die Grenzen der Aussage und, auf Wunsch, die radiometrischen Rohdaten
Was bewusst nicht drinsteht
Ein Thermografiebericht ist keine Zertifizierung und keine Abnahme im rechtlichen Sinn. Er nennt keinen Ertragsverlust in kWh oder Euro, weil dafür elektrische Messungen nötig wären, die zur Thermografie nicht gehören. Er ersetzt keine Kennlinienmessung und keine Isolationsmessung. Ein Befund aus dem Bild ist ein begründeter Hinweis auf eine Ursache und kein Beweis dafür, die Bestätigung gehört in die Hand einer Elektrofachkraft. Ein Bericht, der mehr verspricht, verspricht zu viel.
Woran Sie einen brauchbaren Bericht erkennen
Fragen Sie vor der Beauftragung nach drei Dingen: nach der Einstrahlung, die am Messtag vorlag, nach der Auflösung am Objekt und nach der Regel, nach der eingestuft wird. Wer darauf keine Antwort hat, liefert Bilder und keine Prüfung. Einen vollständigen Musterbericht mit Beispieldaten schicke ich Ihnen auf Anfrage zu, damit Sie das Ergebnis vorab beurteilen können.